Diesen Blog können meine Freunde in verschiedenen Ländern lesen. In diesen Ländern haben sich in der Vergangenheit große staatliche Ereignisse abgespielt, und in manchen Orten geschehen sie noch heute. Diese Geschichte ist davon, wie ich in Samara gelandet bin. Gestern haben sie im Büro auf der Küche Vanillekipferl mit Creme ausgelegt, und dabei ist mir dieses Erinnerung wieder eingefallen.
Im Jahr 1992 zog meine Familie an einen neuen Arbeitsplatz. Wir zogen von Smolensk auf den Fernen Osten. Wir kamen in Moskau an, am Bahnhof Belyj Wokzal. Beim Vorbeigehen an der Kantine sah ich durch die Vitrine das letzte Pirog-Tuben-Pastete. Ich bat im Kindesalter selten um etwas, doch hier wollte ich es sehr und da es nur eine war, schlug ich vor, sie auf alle zu verteilen, je ein Bissen. Sie kostete unvorstellbare Geld – etwa 48 Kopeken, doppelt so viel wie ein Eis-Eskimo. Ein hoher, schmuddeliger Verkäufer in weißem Hut und Kittel lugte hinter der Safttheke hervor und grinste hässlich.
Mama lehnte natürlich ab. Und mir gefiel sofort dieser Verkäufer und sein ganzer Verkaufsstand nicht.
Im dritten Stock des Bahnhofs war die Kommandantur, und Papa ging dorthin, um die Fahrkarten zum Zielort zu holen. Stattdessen erhielt er eine Anweisung.
Aufgrund des gerade zerfallenen Sowjetunion kamen innerhalb der betroffenen Länder regelmäßige Veränderungen. Bis September 1992 endete die Rotationsdienst der Truppen, unsere Wohnung im neuen Ort wurde nicht freigegeben, Paps Stelle war noch immer besetzt und uns blieb nichts, wohin wir fahren konnten. Ohne Vorwarnung beschlossen wir, zu Mamas Eltern nach Samara zu fahren.
Bis zum Zug blieb viel Zeit, und Mama, die unter dem plötzlichen Stress dieses Lebenswandel-Plötzlichkeits-Schicksals litt, führte mich zu dieser Tuben-Pastete. Sie war noch da! Wir teilten sie mit meinem Bruder, weil den Eltern damals keine Zeit für Süßigkeiten blieb.
Ein paar Tage später ging ich in die neue Schule und die Stadt lebte in vollem Tempo.
Und zumindest einen Menschen aus dem Ort Dalschorsk, den ich nie erreichte, habe ich getroffen. Er lebt in den USA, dort haben wir uns kennengelernt.
